Ein kulinarischer Trip

Beitrag für «Serafina Quota», Serafina Houses, 2019
Text und Fotos

Nachzulesen auf Serafina Quota. Oder in der englischen Übersetzung nachzulesen auf Facebook

Ein Sonntagsmittagessen
oder «Was vom Tage übrig blieb»

Das «Pranzo della Domenica» im Peso ist ein unvergesslicher kulinarischer Trip durch ein Bella-Italia aus dem Bilderbuch. Wer dieses echte Stück Feiertags-Italien erleben möchte, sollte einen ganzen Tag Zeit mitbringen, eine Reservierung bei Mauro haben und auf jeden Fall das Frühstück auf einen Kaffee beschränken.

Wir waren einen ganzen Sommersonntag lang drauf.

Das zur Hälfte holzgetäfelte «Gute Speisezimmer» ist in sanftes Licht getaucht. Die Terrazzofliesen schimmern matt. Ein Hauch von Grandezza hängt in der Luft. Der Glanz vergangener Tage. Ein Strauß bunter Gladiolen und Goldrute schmückt einen runden Tisch in der Mitte des Raums. In einer Wandnische stapeln sich gläserne Fußschalen aller Größen und Arten. Die Tische sind mit ockergelb-grau-weiß-karierten Tischdecken, Stoffservietten, weißem Geschirr, Gläsern und einem gefüllten Brotkorb authentisch, schlicht aber mit sonntäglicher Feierlichkeit eingedeckt.

Das großartige an diesem Mittagsmahl ist, dass man nichts bestellen muss. Es wird serviert, was die Küche zaubert. Und die Fülle und Vielfalt an Gerichten ist überwältigend, das Essen purer Genuss. Köstlich und raffiniert, ungekünstelt und ohne Firlefanz. Der weiße und rote Tischwein ist gefällig – sehr gefällig! Alles erinnert an ein Sonntagsessen bei der Lieblingsoma. Man möchte mehr, als man eigentlich kann. Jeder Gang wird von einem liebenswürdigen Kellner in weißem Hemd und schwarzer Hose aufgetragen und mit ernster Miene angesagt. So fliegt die Zeit dahin, wir lachen, erzählen und schlemmen mit Gaumen und Augen. Man kann sich nicht sattsehen an den vielen Details.

Es ist Viertel vor Vier. Der Caffè wird serviert und der Tag scheint für uns gelaufen. Zumindest kulinarisch. Wir sind nach mehr als zehn Gängen satt und glücklich und ein gutes kleines bisschen im Rotweinrausch. Happy and high. Und wir freuen uns auf ein Nickerchen, denn abends geht es sicherlich noch kurz in die Barolo-Bar, wie ich uns kenne …


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